Jetzt bin ich alt

Bald habe ich Geburtstag. Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber mit zunehmenden Alter macht man sich Gedanken. Einer davon ist die Frage, ob ich denn jetzt alt sei? Nun, es ist tatsächlich inzwischen so, dass mal das eine oder andere Gelenk weh tut und manches nicht mehr so dynamisch aussieht wie früher. Gut, diejenigen, die mich länger kennen, werden nun einwerfen, dass die gemeine Dynamik und ich schon immer eher konträr denn komplementär waren. 

Wenn aber auch der Körper nicht mehr so mitmacht, wie noch vor 10 Jahren, so habe ich mich geistig immer jung gefühlt. Bis gestern, denn da fand das mit Spannung erwartete Frankenderby statt, mit allem was inzwischen wohl so dazugehört: ein Marsch einer überwiegend schwarz gekleideten Menschenmenge, Sachschäden, eine geisteskranke „FeuerlöscherAufUBahnWurfAttacke“, enormes Polizeiaufgebot, Sicherheitsbereich um das Stadion, Raketen, Rauchbomben, Bengalos und Böller während des Spiels. Entsprechend natürlich auch die mediale Aufbereitung davor, während und danach.

Ach ja, Spiel. Stimmt, da war ja auch noch eines. Ein fehlerbehafteter, ja katastrophaler Auftritt meines Glubbs. Der Verein, die Mannschaft, das Stadion, die Geschichte und Geschichte dieses liebenswürdigen Deppen, ja, das ist mein Glubb. Auch an solchen Abenden. Das, was ich da gestern von den Anhängern über weite Strecken sehen und hören musste, nein, das ist er nicht. Und doch tragen sie die selben Farben wie ich. Offenbar geht man nicht mehr ins Stadion, um sich tatsächlich ein Fußballspiel anzusehen. Welch vollkommen abwegiger Gedanke! Nein, der Stadionbesuch… Besuch, was für ein hübsches Wort in diesem Zusammenhang…  Also der Stadionbesuch dient inzwischen wohl eher dazu, sich selbst zu inszenieren und bei dieser Gelegenheit ein schlechtes Bild abzugeben, mit entsprechender Ausstrahlung auf den Gesamtverein und alle Anhänger. 

Nein, das ist nicht mehr meine Fußballwelt. Ich bin es leid, ich bin müde. Jetzt bin ich alt.

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